Steueränderungen 2020: Was du wissen musst

Steueränderungen 2020: Was du wissen musst

Der Jahreswechsel hat für Unternehmer einige Steuerreformen mitgebracht. Vor allem in Sachen Mobilität treten Neuerungen in Kraft, die zum Umweltschutz beitragen sollen. Auch bei Grundfreibetrag, Weiterbildungen, Steuererklärung und Umsatzsteuer gelten ab 2020 neue Regelungen. Zeitgold hat für dich zusammengefasst, was du jetzt wissen und beachten musst. 

Grundfreibetrag

Zum 1. Januar verschiebt sich die Höhe des Grundfreibetrags. Ab dann dürfen Unternehmer und Arbeitnehmer 240 Euro mehr im Jahr steuerfrei verdienen. Aktuell beträgt der Grundfreibetrag 9168 Euro im Jahr. Ab 2020 sind es 9408 Euro. Dies entspricht einer Erhöhung von 2,6 Prozent.

Dieser Grundfreibetrag gilt für ledige Steuerpflichtige. Verheiratete erhalten das Doppelte steuerfrei, also 18.816 Euro. Verdient eine Person bis zu 9408 Euro brutto muss sie ab 2020 darauf überhaupt keine Steuern bezahlen. Monatlich entspricht dies 784 Euro. Auch beim Mindestlohn gibt es eine Neuerung: Er steigt 2020 auf 9,35 Euro. 

Kinderfreibetrag

Während sich der Kinderfreibetrag 2019 noch auf 4980 Euro für zusammen veranlagte Eltern belief, wurde er zu 2020 um 192 Euro auf 5172 Euro im Jahr angehoben.

Obendrein gibt es den Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf der Kinder in Höhe von 2640 Euro. Zusammen ergeben sich Freibeträge in Höhe von 7812 Euro. Für getrennt veranlagte Eltern wird bei jedem Elternteil jeweils der halbe Betrag berücksichtigt.

Kinderfreibetrag oder Kindergeld?

Eltern haben entweder Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag. Letzterer wird nicht ausgezahlt, sondern vom zu versteuernden Einkommen abgezogen. Der Kinderfreibetrag wirkt sich somit auf die Einkommensteuer aus, die dadurch gesenkt wird. Welche Variante günstiger ist, wird vom Finanzamt automatisch geprüft und muss nicht beantragt werden. 

Weiterbildungsmaßnahmen 

2020 wird die berufliche Weiterbildung stärker steuerlich entlastet. Bisher war die Weiterbildung von Mitarbeitern für den Arbeitgeber lohnsteuerfrei, solange sie im überwiegend betrieblichen Interesse des Arbeitgebers stand. Dies ist beispielsweise bei Sprach- oder Computerkursen der Fall.

Ab diesem Jahr sind auch Weiterbildungen, die zwar nicht arbeitsplatzbezogen sind, aber der Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit des Arbeitnehmers dienen, lohnsteuerfrei.

Gesundheitsförderung

Der Höchstfreibetrag für die Gesundheitsförderung deiner Mitarbeiter wurde erhöht. Ab sofort kannst du die Fitness und das gesundheitliche Wohl deiner Mitarbeiter mit einem steuerfreien Höchstbetrag von 600 Euro pro Arbeitnehmer und Kalenderjahr fördern. Bisher waren 500 Euro im Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei.

Steuererklärung: Säumniszuschlag und Verspätungszuschlag 

Neuerungen gibt es auch, wenn eine Steuererklärung oder Steueranmeldung zu spät oder gar nicht abgegeben wird. In dem Fall kann das Finanzamt einen Verspätungszuschlag verlangen. Kosten entstehen auch, wenn die Steuer nicht rechtzeitig bezahlt wird.

Nach einer dreitägigen Schonfrist ist ein Säumniszuschlag von einem Prozent des rückständigen Steuerbetrages fällig. Dieser gilt für jeden angefangenen Monat der Verspätung. Der Betrag wird auf 50 Euro abgerundet. Diese Zuschläge berechnet das Finanzamt 2020 automatisch. 

Steuererklärung: Frist schon 2019 verlängert 

2019 wurde die Frist für die Steuererklärung bereits um zwei Monate verlängert: Zuvor galt der 31. Mai als Abgabetermin. Heute ist es der 31. Juli. Dies gilt für Steuerpflichtige, die sich nicht steuerlich beraten lassen.

  • Wer von Steuerberatern beraten wird, erhält zwei Monate mehr Zeit und muss die Erklärung erst bis 28. Februar des übernächsten Jahres abgeben.
  • Ausnahme: Wenn das Finanzamt die Steuererklärung anfragt, muss diese schon vorher eingereicht werden. 

Sonderabschreibung auf E-Fahrzeuge

Das Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften, auch Jahressteuergesetz 2019, genannt, fördert 2020 die Elektromobilität. Hast du ein elektrisches Liefer- der Firmenfahrzeug in Betrieb, kannst du dich auf steuerliche Vorteile freuen.

Schon vorher wurde bei der Dienstwagenbesteuerung die Bemessungsgrundlage für die private Nutzung eines Elektro- oder Hybridfahrzeugs halbiert – jedoch eigentlich nur bis 2022. Das neue Gesetz verlängert diese Frist bis 2030.

Und damit nicht genug: Für bestimmte Fahrzeuge wird nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 Nr. 3 EStG die Bemessungsgrundlage lediglich zu einem Viertel angesetzt. Diese sogenannte 0,25-Prozent-Regel ist Teil des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung.

Wer profitiert von der neuen Bemessungsgrundlage?

  • Kraftfahrzeuge, die keine Kohlendioxidemission je gefahrenem Kilometer haben und
  • deren Bruttolistenpreis nicht mehr als 40.000 Euro beträgt.

Für alle anderen extern aufladbaren Elektro- und Hybridfahrzeuge wird die Bemessungsgrundlage zu 50 Prozent angesetzt. Achtung: Bis Ende 2030 steigen die Anforderungen stufenweise an. Das elektrische Aufladen eines Elektro- oder Hybridelektrofahrzeugs im Betrieb des Arbeitgebers ist aktuell bis Ende 2020 steuerfrei.

Das Gleiche gilt für die zeitweise Überlassung einer betrieblichen Ladevorrichtung zur privaten Nutzung. Auch diesen Steuervorteil können E-Fahrzeug-Nutzer nun bis Ende 2030 in Anspruch nehmen.

Dienstfahrräder 

Wer es noch grüner mag: Auch ein betriebliches Fahrrad oder E-Bike mit einer Geschwindigkeit von bis zu 25 Kilometern pro Stunde für deine Mitarbeiter kannst du schon seit 2019 steuerlich absetzen.

Das Rad darf dabei sowohl beruflich als auch privat genutzt werden und muss nicht mehr wie zuvor als geldwerter Vorteil versteuert werden. Diese Änderung sollte eigentlich im Jahr 2021 auslaufen. Mit der neuen Reform bleibt das Dienstfahrrad auch bei privater Nutzung bis Ende 2030 lohnsteuerfrei.

Wichtig zu wissen

Das Fahrrad oder E-Bike überlässt du deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusätzlich zum Arbeitslohn lediglich zur Nutzung. Sobald du es als Eigentum auf sie überträgst, fallen Steuern an. Außerdem musst du das E-Bike dann bei der Gehaltsumwandlung versteuern. 

Umsatzsteuer auf eBooks 

Apropos elektrisch – auch für Buchhändler hält 2020 Neuerungen parat. Bislang galten sieben Prozent Mehrwertsteuer auf gedruckte Bücher und 19 Prozent auf eBooks.

Diese Ungleichheit hat der Gesetzgeber bereits zum 18. Dezember 2019 geändert. Ab sofort gilt auch für eBooks sowie digitale Zeitungen und Zeitschriften der ermäßigte Umsatzsteuersatz von sieben Prozent. 

Bar- und Sachlohn

Neben den Neuerungen im Bereich Mobilität hält das Jahressteuergesetz 2019 auch eine wichtige Änderung bei der Abgrenzung von Bar- und Sachlohn fest. Als Arbeitgeber solltest du diese im Blick haben.

Nach § 8 Abs. 2 und 3 EStG sind zweckgebundene Geldleistungen, nachträgliche Kostenerstattungen und andere geldwerte Vorteile grundsätzlich keine Sachbezüge, sondern Geldleistungen.

Gutscheine und Geldkarten, die zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen befähigen sind davon ausgenommen. So bleibt die 44 Euro-Grenze auch 2020 gültig. Die Voraussetzung: Deine Mitarbeiter erhalten den Gutschein oder die Geldkarte zusätzlich zum Lohn.

Pendlerpauschale und Jobticket

Du zahlst oder bezuschusst deinen Mitarbeitern ein Jobticket für Bus oder Bahn? Dann kommst du jetzt eventuell günstiger davon. Bisher wurde dein Beitrag mit der Entfernungspauschale – umgangssprachlich Pendlerpauschale – verrechnet.

2020 gibt es eine Pauschalbesteuerung für Jobtickets ohne Anrechnung auf die Pendlerpauschale (§ 40 Abs. 2 S. 2 und 3 EStG). Bereits 2019 konntest du deinen Mitarbeitern Jobtickets steuerfrei stellen – allerdings unter Anrechnung auf die Entfernungspauschale. 

Auch deine Mitarbeiter profitieren von der Änderung: Sie dürfen in ihrer Steuererklärung wiederum die volle Pendlerpauschale von nunmehr 35 statt 30 Cent ab dem 21. Kilometer geltend mache – auch bei Autofahrten. Besonders lohnenswert ist das bei weiteren Strecken. 

Achtung

Die neue Regelung zur Pendlerpauschale gilt vorerst nur bis Ende 2026.

Dienstreisen

Auch Dienstreisende dürfen sich 2020 freuen – und zwar auf mehr Geld für Speis und Trank. Mit dem Jahressteuergesetz 2019 wurden die bislang geltenden Verpflegungspauschalen angehoben – also das Geld, das deine Mitarbeiter erhalten, um sich auf Dienstreisen unterwegs zu versorgen. 

Bei beruflichen Trips ab acht Stunden kannst du 2020 eine Pauschale von 14 Euro statt bisher zwölf Euro geltend machen. Bei Dienstreisen von 24 Stunden wurde die Pauschale um vier Euro auf 28 Euro erhöht. Zusätzlich gibt es je 14 Euro für An- und Abreisetage gibt es 14 Euro statt der bisherigen zwölf Euro.

Jobticket 

2020 gibt es eine Pauschalbesteuerung für Jobtickets ohne Anrechnung auf die Pendlerpauschale (§ 40 Abs. 2 S. 2 und 3 EStG). Bereits 2019 konntest du deinen Mitarbeitern Jobtickets steuerfrei stellen – allerdings unter Anrechnung auf die Entfernungspauschale.

Seit diesem Jahr darfst du für ein Jobticket pauschal 25 Prozent Lohnsteuer abführen. Die Anrechnung auf die Entfernungspauschale entfällt. Die neue Regelung gilt für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr und für private Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr.

Der Gesetzgeber will so stärkere Anreize für die Nutzung von Jobtickets setzen und den Individualverkehr mit dem Auto minimieren.

Übrigens

Auch für Berufskraftfahrer gibt es eine neue Pauschale. Trucker, die mehrere Tage unterwegs sind und in ihrem Lkw übernachten, können jetzt für jeden Tag pauschal acht Euro von der Steuer absetzen. 

Niedrigere Umsatzsteuern für Bahntickets

Auch die Mehrwertsteuer bei Bahntickets im Fernverkehr wird 2020 von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Das soll bewirken, dass mehr Menschen vom Auto oder Flugzeug auf das umweltfreundlichere Verkehrsmittel umsteigen. Dies ist ein Beschluss im Zuge des Klimapakets. Im Gegenzug wird die Luftverkehrsabgabe bei Flügen erhöht.

Lesetipp

Wie du als Unternehmer noch mehr Steuern sparst, erfährst du hier.

Steuervorteile für Kleinunternehmen

Inhaber von Kleinunternehmen werden mit dem Bürokratieentlastungsgesetz III steuerlich entlastet. Die neue Kleinunternehmerregelung hebt die Umsatzsteuergrenzen an – und erleichtert den Betriebsalltag damit erheblich.

Außerdem soll der Solidaritätszuschlag weitgehend abgeschafft werden. Das Bundesfinanzministerium will kleine und mittelständige Unternehmen so zusätzlich entlasten. 

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