Kurzarbeitergeld bei Arbeitsausfall durch COVID-19: So beantragst du es

Kurzarbeitergeld bei Arbeitsausfall durch COVID-19: So beantragst du es

Unternehmer meldet Kurzarbeitergeld für seine Mitarbeiter an, weil er aufgrund der Corona-Pandemie in finanzielle Not geraten ist.

Die wirtschaftlichen Belastungen infolge der Corona-Pandemie sind besonders für kleinere und mittelgroße Unternehmen gravierend. Oft brechen die Umsätze von jetzt auf gleich vollständig weg, Fix- und Betriebskosten laufen aber weiter. Nicht immer akzeptiert der Verpächter  eine Mietminderung. Auch die Kosten für den Strom müssen gedeckt sein. 

Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden oder zumindest zu verringern, hat die Bundesregierung den Zugang zum Kurzarbeitergeld (KUG) über die Arbeitsagenturen deutlich erleichtert: Bei durch das Coronavirus verursachten Arbeitsausfällen kann ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld gewährt werden. 

Die zuständige Agentur für Arbeit zahlt das Kurzarbeitergeld als teilweisen Ersatz für den durch den vorübergehenden Arbeitsausfall entfallenden Lohn. So wird der Arbeitgeber finanziell entlastet und kann seine Mitarbeiter weiter beschäftigen. 

Zusammengefasst: Kurzarbeit kann Arbeitsplätze retten und gleichzeitig die Liquidität des Unternehmens schützen. In diesem Beitrag erfährst, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie du Kurzarbeit für dein Unternehmen bei der Agentur für Arbeit beantragst. 

Kurzarbeitergeld beantragen – was sind die Voraussetzungen? 

Wenn es in deinem Unternehmen aufgrund der Corona-Pandemie zu Entgeltausfällen kommt, kannst du als Arbeitgeber für betroffene Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beantragen. 

Um Kurzarbeit einzuführen, sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Um das Kurzarbeitergeld für alle Unternehmen in Coronanot zugänglich zu machen, hat der Gesetzgeber Sonderregelungen eingeführt. 

So kannst du nun bereits Kurzarbeitergeld beantragen, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten von einem Verdienstausfall betroffen sind. Zuvor lag die Schwelle bei 30 Prozent. Bedingung ist, dass das Unternehmen durch die Folgen der Coronaviruskrise in Schieflage geraten ist. 

Bevor du Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur anzeigen kannst, muss dein Mitarbeiter sein schriftliches Einverständnis zur Kurzarbeit geben. Zum Zeitpunkt der Einverständniserklärung muss der Umfang der Kurzarbeit noch nicht definiert sein. 

Wenn die Arbeit im Betrieb aufgrund der Pandemie vorübergehend gar nicht möglich ist, kann der Umfang auch auf „Null“ reduziert werden. Dein Mitarbeiter leistet in dieser Zeit keine Arbeit und erhält statt seines üblichen Lohns das Kurzarbeitergeld. Wenn der Bedarf an seiner Arbeit wieder zunimmt, kannst du den Umfang jederzeit erhöhen. 

Die Voraussetzungen für Kurzarbeit 

  • vorübergehender erheblicher Arbeitsausfall und Entgeltverluste von mindestens 10 % für mindestens 10 % deiner Mitarbeiter
  • unabwendbares Ereignis und unvermeidbarer Arbeitsausfall (wie die Coronakrise)
  • Kurzarbeitsklausel in den Arbeitsverträgen (wenn nicht vorhanden, ist eine Vertragsergänzung oder entsprechende Ergänzungsvereinbarung möglich)
  • Einverständniserklärung des Betriebsrats / aller von KUG betroffenen Mitarbeiter

Sind alle Bedingungen erfüllt, kannst du einen Antrag auf Kurzarbeitergeld bei der Bundesagentur für Arbeit stellen. 

Achtung bei Tarifverträgen

Einige Tarifverträge und Arbeitsverträge sehen vor, dass der Arbeitgeber Kurzarbeit ohne die Zustimmung des Mitarbeiters einführen kann. Ist ein Betriebsrat vorhanden, muss dieser bei der Einführung von Kurzarbeit zwingend beteiligt werden.  

Wie beantrage ich Kurzarbeitergeld? 

Haben die betroffenen Mitarbeiter ihr schriftliches Einverständnis zum vorübergehenden Erhalt des Kurzarbeitergeldes gegeben, kannst du den Antrag stellen. Kurzarbeitergeld beantragst du in einem zweistufigen Verfahren bei deiner zuständigen Agentur für Arbeit. 

Das Antragsverfahren besteht aus Anzeige und Antrag. 

1. Schritt: Kurzarbeit anzeigen 

Zunächst zeigst du den Bedarf an Kurzarbeit – also den Arbeitsausfall deines Mitarbeiters – an. Das kannst du bequem online erledigen. Melde dich dafür im Portal eServices über einen von der zuständigen Agentur für Arbeit betreuten Account an. Dafür kannst du auch deine JOBBÖRSE-Zugangsdaten (Benutzername und Kennwort) verwenden.

Wenn dir der postalische Weg lieber ist, kannst du auch den Vordruck der Arbeitsagentur ausfüllen und anschließend an deine zuständige Arbeitsagentur schicken. Welche das ist, kannst du hier herausfinden. In diesem ersten Verfahrensschritt werden deine Geschäftsdaten sowie die Hintergründe des Arbeitsausfalls erfragt. 

Folgende Informationen sind anzugeben: 

  • Anschrift deines Betriebs
  • Zeitraum der geplanten Arbeitszeitreduzierung
  • Angaben zur Arbeitszeit (betriebsübliche Arbeitszeit; Arbeitszeit während der Kurzarbeit)
  • Angaben zum Betrieb (Bestehen des Unternehmens, bei Tarifvertrag Bezeichnung, Arbeitszeit, ggf. Kurzarbeitsklausel)
  • Angaben zum Arbeitsausfall (Ursachen und Natur, Angaben zu Produkt/Dienstleistung)

2. Schritt: Antrag auf Kurzarbeitergeld stellen 

Die Arbeitsagentur prüft nun deine Anzeige hinsichtlich der oben dargestellten Voraussetzungen und entscheidet, ob sie Kurzarbeitergeld bewilligt. Stellt die Arbeitsagentur fest, dass dein Unternehmen alle Voraussetzungen erfüllt, kannst den Antrag auf Kurzarbeit stellen. Das kannst du ebenfalls online machen. Den Link zum Online-Antrag findest du auf der Seite Kurzarbeitergeld – Informationen für Arbeitgeber der Arbeitsagentur. Oder du nutzt das vorgefertigte Formular der Arbeitsagentur. 

Um den sogenannten Leistungsantrag zu stellen, errechnest du zunächst die Höhe der Auszahlungen. Im Internet findest du dafür Online-Rechner. Auch dein Steuerberater kann dir hier weiterhelfen. 

Kurzarbeitergeld online berechnen

Mit dem Kurzarbeit-Rechner auf Handelsblatt.com errechnest du schnell und einfach das Kurzarbeitergeld für deine Mitarbeiter. 

Nun zahlst du das Arbeitsentgelt für bereits geleistete Arbeitsstunden an deine Angestellten aus. Dazu kommt noch das Kurzarbeitergeld für die Ausfallstunden. Bei deiner Agentur für Arbeit beantragst du monatlich nachträglich die Erstattung des Kurzarbeitergeldes. 

Innerhalb von drei Monaten nach Ablauf des jeweiligen Abrechnungsmonats muss der Antrag eingegangen sein. Geht dein Betrieb dann wieder in Vollarbeit über, prüft die Agentur erneut die Abrechnungen. Dann werden im Rahmen einer Abschlussprüfung gegebenenfalls die Auszahlungen des Kurzarbeitergeldes korrigiert. 

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld? 

Update 24. April: Das Kurzarbeitergeld gleicht den ausgefallenen Nettolohn aus. Wie die Koalition heute beschlossen hat, wird das Kurzarbeitergeld erhöht. Bei Beschäftigten mit mindestens einem Kind betrug es zuvor zirka 67 Prozent des pauschalierten Nettoarbeitsentgelts. Jetzt sind es bis zu 87 Prozent. Arbeitnehmer ohne Kinder erhalten statt der bisherigen 60 Prozent nun bis zu 80 Prozent.

Wichtig 

Das Kurzarbeitergeld wird vom Arbeitgeber ausgelegt und erst nach der Zahlung erstattet. 

Du als  Arbeitgeber berechnest das Kurzarbeitergeld selbst und zahlst es auch selbst an deine Arbeitnehmer aus. Du legst es quasi aus. Erst nach der Zahlung wird das KUG von der Arbeitsagentur erstattet. Die Agentur für Arbeit erstattet das Kurzarbeitergeld erst rückwirkend. 

Dir entstehen keine Kosten für die Einführung der Kurzarbeit. Auch anfallende Sozialversicherungsbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden werden zu 100 Prozent von der Bundesagentur für Arbeit erstattet. Dies schließt auch Leiharbeitnehmer ein. Bisher mussten Arbeitgeber 80 Prozent der ausgefallenen Sozialbeiträge zahlen, sowohl vom eigenen Anteil als auch vom Anteil des Angestellten. Die hat sich nun geändert.

Grundsätzlich gilt: Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen ihr Möglichstes tun, um Arbeitsausfall zu vermeiden oder zu vermindern. 

Wie lange kann Kurzarbeitergeld bezogen werden?

Das Kurzarbeitergeld kann nach aktueller Regelung maximal zwölf Monate lang bezogen werden. Nimmst du dein Geschäft zwischenzeitlich wieder auf, muss die Kurzarbeit unterbrochen werden. 

Die nicht beanspruchten Monate führen dann zu einer Verlängerung deines Anspruchs. Sie werden einfach an an die ursprünglich genehmigte Dauer angehängt. 

Wird die Kurzarbeit für drei aufeinander folgende Monate unterbrochen und du möchtest dann wieder auf Kurzarbeit umstellen, musst du eine neue Anzeige stellen. Melde den erneuten Bedarf an Kurzarbeit in jedem Fall zeitnah bei deiner Agentur für Arbeit an. 

Was gilt für Selbstständige?

Da Selbstständige nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, können sie auch kein Kurzarbeitergeld beantragen. Auch eine „freiwillige Weiterversicherung” (Antragspflichtversicherung) bietet keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Die gesetzliche Grundlage bildet der § 105 SGB III. 

Wenn du als Selbstständiger von der „freiwilligen Weiterversicherung” Gebrauch machst, hast du jedoch Anspruch auf Arbeitslosengeld. Ansonsten fällst du nicht in den Schutz der Arbeitslosenversicherung. Wenn du keine oder geringe Einnahmen erzielst, kannst du die Leistungen der Grundsicherung im Jobcenter beantragen. 

Können Zeitarbeitsunternehmen Kurzarbeitergeld erhalten?

Ja, auch Zeitarbeitsunternehmen können für ihre Mitarbeiter rückwirkend vom 1. März 2020 bis Ende 2020 Kurzarbeit einführen und das Kurzarbeitergeld erhalten. 

Bei allen Fragen rund ums Kurzarbeiterged hilft dir die Bundesagentur auch telefonisch weiter. Die gebührenfreie Telefonnummer des Arbeitgeber-Service – 0800 4555520 – ist Montag bis Freitag zwischen 8 und 18 Uhr erreichbar.

Wir machen keine Steuerberatung. Zeitgold ersetzt keinen zertifizierten Steuerberater. Alle Angaben ohne Gewähr.